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Montag, 20. Juni 2011

Cuenca - Back to school!

Ich bin von der Schule wieder der gleichen Gastfamilie zugeordnet worden. Und lustigerweise hat die Haushälterin nur dem Großvater der Familie bescheid gesagt, dass ich wiederkommen werde. Es waren gerade alle zum Abendessen versammelt, als ich einfach so reinplatzte - und wie herzlich ich empfangen wurde! Das hatte ich beim ersten Mal nicht ganz so erlebt. Gut, jetzt habe ich immerhin auch größtenteils verstanden, was sie mir gesagt haben :) Und was die alles wissen wollten! Ich war ja in Kolumbien, und Kolumbien scheint ein mystischer Fleck für Ecuadorianer zu sein. Zu gefährlich, um es zu besuchen, und man hört in Ecuador wohl nur immer wieder von den "schönen Kolumbianerinnen", den "schönen Stränden der Karibik" und natürlich der örtlichen Kokainproduktion. Konnte ich ja auch (fast) alles bestätigen ;)

Gleichzeitig hat in der Gastfamilie ein Schüler aus den USA gewohnt. Aber er war anders als die Amerikaner, die ich bisher so in meinem Leben kennenlernte. Liegt es daran, dass er aus Alabama kommt? Jedenfalls hat er trotzdem mir bei weitem überlegenem Spanisch fast kein Wort mit der Familie oder mit mir gewechselt. Nur immer brav sein Essen gegessen und früh (vor mir) allein zur Schule gegangen. Naja, es war eine Gruppe von 20 Amerikanern von einer Uni in Tennessee, und die mussten die Schule (und auch noch begleitende Aktivitäten) wohl mit mehr Ehrgeiz und Sorgfalt angehen als wir "normalen Schüler". Die ganzen Amerikaner allerdings machten die Schule relativ voll, und so hatte ich nicht mehr Einzel- oder Paarunterricht, sondern wir waren jetzt 6 Schüler (4 Amis, 1 Schweizerin und ich). Damit war's irgendwie nicht mehr so lustig, mehr zum Frontalunterricht verkommen. Aber war ja nur eine Woche. Und immerhin wurde mir bescheinigt, dass ich nun nicht mehr Spanischlevel "Beginner 2" bin, sondern "Intermedio 1" - innerhalb einer Woche :-)

Weiterhin habe ich einige alte Bekannte wiedergetroffen, die noch immer in Cuenca zugegegen sind: ein Deutscher, der eigtl. schon vor 6 Wochen gehen wollte, sich jetzt aber eine franz. Freundin "angelacht" hat und wohl noch eine weitere Weile bleiben wird. Einen Kanadier, der mehr oder minder ansässig geworden ist, seine Eltern haben Arbeit in Cuenca gefunden und eine Schweizerin, die die Schule gerade noch begonnen hatte, bevor ich nach Kolumbien abgereist war. War eine schöne Reunion, zumal der Kanadier dann auch noch seinen 20. Geburtstag gefeiert hat. Und wie! Es reicht wahrscheinlich zu sagen, dass diese Feier meinen geplanten Chimborazo-Aufstieg um mind. 2 Tage nach hinten verschoben hat ;-)

Mein erster Kinofilm auf Spanisch, ohne Untertitel, war übrigens "Pirates del Caribe" ;-) Und ich glaube ich habe ungefähr die Hälfte verstanden, gerade genau so viel, um nicht so richtig folgen zu können, was eigentlich nun gerade passiert. Aber auch in Deutsch ist es ja nicht der einfachste Film ... (rede ich mir jetzt mal ein ;-))

Und zum (diesesmal wenigstens längerfristig endgültigen) Abschied meiner Gastfamilie wurde mir ein weißer Schal geschenkt, vermutlich für den geplanten Aufstieg auf den Chimborazo. Den sie mir übrigens unter lautem Lachen nicht zutrauen ...

Freitag, 6. Mai 2011

Tschüss, Cuenca!

Jetzt heißt's also schon Abschied nehmen von Cuenca. Cuenca wird mir fehlen. So sehr, dass ich eventuell sogar nochmal 2-3 Wochen (Sprach-)Aufenthalt im Juni in Cuenca (inkl. versch. weiterer WE-Ausflüge in den Regenwald etc.) nachschieben werde. Es scheint mir ein guter Ausgangspunkt um Mitte/Ende Juni weiter nach Peru zu reisen ...

Nach 5 Wochen Sprachkurs in Spanisch fühle ich mich gerüstet (bzw. sollte ich mich gerüstet fühlen), das Abenteuer Rundreise nord-östliches Südamerika zu beginnen. Nach einem Flug am Samstag nach Quito, zum internationalen Flughafen geht's also am Montag nach Bogota (Kolumbien). Bin mal gespannt. Angst, dass mir weißes Pulver untergejubelt wird und ich parasitär als Kurier missbraucht werde, habe ich eigentlich erst auf dem Rückflug nach Quito dann Ende Mai...

Vilcabamba. Oder: Wie und wo leben Amis und andere Hippies heute?

Meine letzte Wochenendexkursion brachte ich mich nach Vilcabamba, the "Valley of Longevity". Es heißt, es gibt Leute, die dort über 120 Jahre alt werden; angeblich wegen des Wassers, des konstanten Klimas und auch dem tatsächlich fehlenden Stress. Keine einzige Person soll Herzkrank sein. Kein Wunder, dass zwischenzeitlich von einem einschlägigen Magazin Vilcabamba als No. 1 of the World's Places for Retirement geführt wurde - und mittlerweile über 100 Rentnerpaare aus den USA in den Süden Ecuadors migrieren ließ. Das hat die Grundstückspreise übrigens auf USA-Niveau steigen lassen! (Erinnerung: Dritte-Welt-Land!)

Gut, zurück zum Thema. Schon das Ankommen war ein Abenteuer. Wir sind etwas spät dran gewesen, und nach 7h-Fahrt um ca. 22h im Dorfzentrum angekommen. Dort haben wir einen Taxifahrer angesprochen, ob er uns zum "Hotel", das wir reservierten, bringen kann, den Namen hatten wir ihm aufgeschrieben. Er sagte, klar, 4 USD. Klang viel, aber um die Uhrzeit wollten wir auf Nummer sicher gehen. Aber. Der Taxifahrer fuhr mit uns raus aus dem Dorf, das Tal hinauf. Zwei Fragen wurden beantwortet: Die 4 USD waren gerechtfertigt, bei ca. 20min Fahrt durch den dunklen Wald. Und die zweite, warum sind die Taxis eigentlich nicht normale Autos sondern geländegängige Pickup-Trucks? Einfache Antwort: es ist nötig. Wir sind über soviel Stock Stein gefahren ... da wäre selbst ein normaler Strassenallrad-Golf (oder so) nicht durchgekommen. Aber eine dritte Frage stellte sich unmittelbar, als uns der Taxifahrer entließ. Wo sind wir?!? Eine einzige beleuchtete kleine Hütte in der Nähe - klar sind wir da erstmal hingegangen. Ein paar Betrunkene Leute waren da, wollten uns alle erstmal abknutschen, haha und haben uns Bier angeboten. Ist zwar nett, aber wir hatten ein Zimmer reserviert. Die wussten natürlich nichts, war ja auch kein Hotel. Zwei nicht so Betrunkene haben uns dann durch die Dunkelheit (Handybeleuchtung + Glühwürmchen) über eine Brücke zum "Hotel" geführt. Kein einziges Licht brannte da. Aber mit dem Handy konnte man das Schild "We are open" sehen. Es gab eine Gegensprechanlage, mit der man die Inhaber rufen konnte. Gelesen, getan. Die weibliche Stimme sagte, gleich (5-10min) würden wir abgeholt. Als nach wenigen Minuten ein unserer Meinung nach völlig bekiffter Hippie (in seinen späten 50ern) auftauchte und ohne Umschweife sagte: "Let's go up the hill", waren wir erst ein bisschen Misstrauisch. Irgendwann sagte er dann, dass er dort ein Hüttchen für uns hätte, also gingen wir mit. Wieder Handybeleuchtung. Die Hütte war dann ein ziemlich angenehmes (aber spartanisches) Baumhaus, mit fließend warmem Wasser - jedoch trotzdem völlig anders als wir es von einem Hostel erwartet hatten. Eigentlich hatte ich auf ein Restaurant gehofft um den aufgestauten Hunger zu stillen, aber dafür gab es eine Hängematte (perfekt für den klaren Sternenhimmel bei absoluter Ruhe), sogar eine kleine Küche (aber wir sahen aus Mangel an Mitgebrachtem und hygienischen Gründen eher davon ab, sie zu nutzen). Es war wirklich sogar bequem und liebevoll eingerichtet, man musste es einfach mit ein paar kleinen Mitbewöhnerchen (und am morgen einer Henne auf der Veranda) teilen.
Für den nächsten Morgen wurde uns Frühstück versprochen. Es stellte sich heraus, dass wir die einzigen Gäste derzeitig sind. Und so hat Charlie, der uns am morgen wesentlich sympathischer war nur für uns einmal Rührei und einmal Pancakes mit (übrigens hauseigenem sehr guten Honig!) gemacht. Für den Tag gab er uns noch zwei Brotbüchsen voll mit Sandwiches (die wirklich sehr gut waren, Käse mit Ei und Thunfisch) mit und empfahl uns eine schöne Wanderroute, mit blendendem Ausblick über das Tal (siehe Bilder). Natürlich war auch ein Nickerchen am Fluss dabei :-)
Am Abend haben wir mit Charly zu Abend gegessen, da wurde er noch gesprächiger. Seine (englische) Frau hat für uns gekocht, übrigens sehr gutes Geschnetzeltes mit Kartoffelbrei (gibt's hier sonst nicht!). Er erzählte, dass er vor 32 Jahren aus den Staaten ausgewandert ist, und dieses "Hotel" (also diese Hüttchen) vor 22 Jahren eröffnet hatte. Er schimpfte ziemlich über die Nachbarn, sagte, dass jeder ausnahmslos wohl schonmal bei ihm in eine der Hütten eingebrochen ist oder woanders auf einem seiner Grundstücke geklaut hat. Klingt ziemlich verbittert und verzweifelt, hörte sich aber nur halb so schlimm an. Ist ja recht normal hier in Ecuador.
Am nächsten Tag war es wieder mal Zeit, was auszuprobieren. Christoph auf Pferd. Geht das? Ich habe zwar immernoch Muskelkater (jetzt fast eine Woche später) in den Oberschenkeln, aber ja, es geht! Siehe Beweisfotos. Macht sogar mächtig Spaß. Fühlt sich schon enorm an, auf so einem Muskelpaket zu sitzen. Und in welcher Geschwindigkeit die durch widriges Gelände kommen! Und auch durch Flüsse, schönes Gefühl.
Auf dem Fußweg zurück zum "Hotel" sind wir dann in einen sintflutartigen Regen gekommen. Die Straßen haben sich in Flüsse verwandelt. Und trotz Regenjacke und Rucksacküberzug ist sogar mein Reisepass nass geworden. Zum Glück kann man das Visa-Datum von Ecuador noch lesen :-) (Und meine Schuhe haben auch tagelang gebraucht, bis sie wieder trocken waren, habe ich noch nie erlebt!) Da machte der Hinweis auf einem Zettel in der Hütte aufeinmal sogar auf einmal Sinn: "Occasionally the bridge in front of the restaurant will be washed away. Please don't attempt to swim through the water in this case!"








La comida de Ecuador

Essen in Ecuador ist ein Erlebnis. Und dabei rede ich jetzt nicht (nur) von Meerschweinchen. Es ist schon ziemlich anders als in Europa. Es gibt hier einige Früchte, die in Europa völlig unbekannt sind (Tomate de Arból = Baumtomaten) oder Naranjillas. Auch wird einem hier klar, dass die Kartoffel wirklich von Südamerika importiert ist. Es gibt hier über 50 Sorten von Kartoffeln, oft schön aufgereiht in verschiedenen Eimern auf Märkten anzutreffen. Aber auch Gemüse, das ähnlich wie eine Kartoffel (als Beilage) verwendet wird und auch einen entfernt ähnlichen Geschmack hat, gibt es hier. Z.B. die Yuka oder die Verde (eine große grüne Kochbanane. Bananen wäre eigentlich auch ein eigener Beitrag wert: Große, kleine, süße, bittere, zum Kochen, zum Roheessen,...). Aber eigentliche Hauptbeilage ist hier Reis. Mittags und auch abends. Immer Reis. Auch zu Kartoffeln. Teigwaren indessen gibt es wirklich selten (daher gabs natürlich Penne al'Arrabiata, als ich mal den Kochlöffel für die Familie geschwungen hab). Ansonsten ist die Küche eigentlich wie man sie sich vorstellt. Auf dem Land viel Fleisch (auch Schnitzelähnlich) und an der Küste vor allem Fisch in jeglichen möglichen Zusammensetzungen. Und natürlich viel nordamerikanischer Einfluss (Burger, Fastfood).
Aber der Gipfel der Essenserfahrung (abgesehen vom Cuy, natürlich) war Fanesca. Das ist eine Art Fischsuppe die traditionell in der Semana Santa (Karwoche) am Donnerstag oder Freitag serviert wird. Jede Familie hat da so ein bisschen ihr eigenes Rezept. Aber was ich so erlebt und von anderen gehört habe, kann man es so zusammenfassen: Viele Zutaten und dazu ziemlich salziger (Absicht! warum?) Fisch. Bohnen, Reis, Kartoffeln, Banane, noch mehr Bohnen, Erbsen, auch Pommes, alles drin. Es sind 12 Zutaten (wie die 12 Jünger Jesu), Jesus selbst soll der Fisch symbolisieren. Macht auch Sinn, das nur einmal im Jahr zu essen...
Übrigens isst der gemeine Ecuadorianer entgegen jeglicher Vermutung überhaupt gar nicht scharf. Meine Nudeln (für meinen Geschmack nicht besonders scharf) haben manche der "Mitesser" tatsächlich ein bisschen die Tränen in die Augen getrieben. Nur der Abuelito hat noch nachgewürzt. Der weiß, was schmeckt ;-)

Freitag, 15. April 2011

Fußball in Cuenca

Dieses Mal gab es Fußballspiel im sehr nahe gelegenen Stadion zu sehen. Zu Gast war die Mannschaft aus Guayaquil (mind. 8mal so groß wie Cuenca!), die nennen sie "Emelec". Ich saß natürlich, im roten Fanshirt (Foto vielleicht später :-)), im Block der Cuencanos und hab mächtig mit angefeuert. Es war ein sehr aufgeladenes Spiel - es gab 3 rote Karten und insgesamt sehr viele Fauls. Gehört wohl hier zum Temprament dazu. Leider hat Deportiva Cuenca am Ende 0:1 verloren, gegen die auch in der Tabelle wohl viel besseren Emelecs. Aber lustig war es trotzdem. Von der Atmosphäre her (hey, immerhin 10.000 Zuschauer!) habe mich sogar ein bisschen erinnert gefühlt an ein Derby Rot Weiß Erfurt gg. Dynamo Dresden ... Rauchgranaten, Pyrotechnik, Randale und Polizeireiterstaffel inklusive.
Im vorletzten Bild kann man (leider schlecht, klicken für Vergrößerung) sehen, wie ein paar junge Zuschauer nach Spielende auf den Platz gerannt sind und sich dort geprügelt haben. Die Polizei, das muss man sagen, hat sehr sehr spät reagiert, ist generell sehr passiv. Größere Ausschreitungen gab es nicht, zum Glück.






Freitag, 8. April 2011

Comer Cuy

Ok. Es ist schneller soweit, als ich dachte. Gestern haben mich ein paar Kollegen von der Schule gefragt, ob wir nicht abends Cuy essen gehen wollen. Cuy heißt Meerschweinchen und ist hier in Ecuador ziemlich verbreitet, insbesondere in den Andengebieten (wie Cuenca). Natürlich konnte ich nicht nein sagen, das muss man ja schonmal probiert haben, wenn man hier wohnt.







Ich gebe zu, ich habe es nicht lebend gesehen und auch nicht quieken gehört, meine erste Begegnung mit meinem Abendessen hatte ich zum Glück erst, als es sich schon schön gleichmässig überm Grill drehte.

Auf dem Teller sieht es auch noch etwas denaturiert aus. Aber natürlich wird es mit Kopf serviert. Man soll nicht mit Essen spielen, aber hier habe ich mit George eine kleine Ausnahme gemacht.



Gut ich gebe auch zu, viel habe ich nicht davon gegessen. Es schmeckt nicht groß besonders, so ein bisschen eine Mischung aus Hühnchen und (knuspriger!) Schweinshaxe. Aber es fühlt sich ziemlich komisch an, wenn man daran denkt, was man da eigentlich gerade isst. Und wenn man versucht nicht daran zu denken, denkt man ja erst recht daran...
Die Leber und den Kopf (inkl. Gehirn-auszuzeln) hat George gegessen. Der ist eben auch Brite und ist einfach alles ;-)
(Außer die Augen).

Auch wenn damit das große Abenteuer schon beschrieben ist, der vollständigkeithalber: Es wird dazu hier normalerweise eine warme Likörmischung getrunken, die aus versch. Früchten, dem lokalen Schnaps (Zhumir) und Zimt gemixt wird. Und sehr viel Zucker. Schmeckt gut, und man merkt den Alkohol wirklich gar nicht, jedenfalls anfangs, haha.

Dienstag, 5. April 2011

Erster Tag in der Schule

Zum Frühstück gabs ein trockenes Brötchen mit Marmelade (vmtl. Ananas) und dazu entweder Instantkaffee - im Land des Hochlandkaffees! - oder Kakao. Also Kakao. Butter oder Margarine ist wohl nur Sonntags auf dem Tisch. Aber immerhin, eine Frucht (heute eine Banane) gibts für die Schule auch immer dazu.
So, da war ich nun mit Thomas zur Schule gelaufen, ca. 12min Fussweg. Es handelt sich um eine ziemlich kleine Schule. Ich war der einzige der diesen Montag neu hinzugekommen ist, jedenfalls der einzige der den Einstufungstest absolvierte ("Schreibe eine 60-Wörter-Abhandlung über deine ersten Impressionen von Ecuador!"). Ok, ich bin in den Anfängerkurs gerutscht ;-) So, nun bin ich aber der einzige Schüler im Anfängerkurs. Das heißt, mein "Minigruppen"-Unterricht ist also Einzelunterricht. Jedenfalls diese Woche. Eieiei, da heißts also wirklich immer "da" sein, nicht mal eben (wie ich es ja nun eigentlich gewohnt bin) ein 10min-Nickerchen machen. Wird wohl stressig. Sidefact: Es gibt auch noch HAUSAUFGABEN!!!!
Da die Schule schon um 7.45h (Hallo? Urlaub?) beginnt, und eine Stunde nun mal 45min entspricht, bin ich also gegen 13.15h jeweils wieder zuhause. Mittags gibt es jeweils ein schönes 3-Gänge-Menü (Vorsuppe, Hauptgericht mit Reis (immer!), Nachspeise), perfekt um während eines Mittagsschläfchens verdaut zu werden. Wenn ich mich irgendwann mal an die Höhe (2500m über NN, so schlimm ist's auch nicht, aber hier gibts viele Treppen!) gewöhnt habe, werde ich beginnen im Park nebenan etwas Laufen zu gehen. Hier gibts wohl einen Olympia-Sieger, der tatsächlich immernoch manchmal hier im Park laufen geht (den Namen habe ich leider vergessen). Wenn das mal nicht gute Vorraussetzungen sind ;)

Ankunft in Cuenca

Am Flughafen Cuenca wurde ich von der Gastfamilie abgeholt. Lustige Menschen, ich kann kaum ein Wort spanisch und die reden einfach so drauf los, immer weiter. Es bleibt mir kaum was anderes als immer "Si", "Si" zu sagen. Dieses Prinzip des Sprachenlernens nennt man wohl "Total Immersion". Unglaublich anstrengend.
Angekommen wurde ich von zwei lustigen Hunden begrüsst: Osito - ein Golden Retriever, toller Hund! und Aís (Ice? o.ä.) - er wurde mir als deutscher Hund vorgestellt, keine Ahnung wie die (wohl ziemlich bekannte) Rasse heißt, aber er hat einen wohl sehr zeitgenössischen Haarschnitt.








Gastvater Jaime (Zahnarzt in Rente) erzählt recht viel und stellt die Respektsperson der Familie dar. Hätte er nicht so ein unheimlich fiesen Dialekt! Dafür spielt er auch gern und ziemlich gut Klavier und Akkordeon. Er kann einige Stücke (z.B. Verdi's La Traviata) auch, während es im Radio läuft, auf dem Klavier begleiten. Durch Zuhören. Wow.


Es gibt eine Cousine der Familie (heiratete mit 22, ist auch sehr üblich hier so jung zu heiraten) die auch Deutsch spricht, welches sie in Basel gelernt hat. Aber es klingt eigentlich gar nicht schlecht. Sie hat mir einiges erklärt, was die Familie betrifft (hatte auch schon Jaime versucht, aber, nee, keine Chance das zu verstehen...)
Für eine Woche wohnt noch ein Holländer hier mit in der Familie, Thomas heißt er. Lustiger Typ; ist schon seit 8 Wochen hier in Cuenca. Er meinte, er sei mit Hiking-Boots dahergekommen und wollte auch noch etwas reisen. Aber er hat jetzt seinen Aufenthalt in Cuenca verlängert, und die Familie hat mir erzählt, er sei jeden Abend auf Parties. Mal sehen wie das bei mir ausgeht ;-)


Er hat mir am Abend auch noch ein bisschen Cuenca gezeigt (wo gibt's das gute "Club"-Bier, die besten ("Inca"-)Burger, etc.) und wir haben noch zwei Mitstudenten von ihm getroffen (ein Deutscher, eine Schweizerin), alle sind hierhergekommen direkt nach dem Abitur/Matura.
Abends gab es noch ein Festessen (!) bei einer Nichte des Abuelo (Jaime), das war wirklich aussergewöhnlich! Man merkte, dass diese Nichte mit einem Amerikaner (genauer: Kanadier) verheiratet ist (Lance), und amerikanische Grillkunst (zig verschiedene Fleischsorten) auf Ecuadorianische Soßenkunst (und Gastfreundschaft) getroffen ist. Gute Mischung! Im Gegensatz zum sehr guten Whiskey, der hier aber immer mit Wasser gemischt wird (hää?)




Bisher gefällt es mir hier wirklich gut. Ich habe mein eigenes Zimmer (mit sehr großem Bett), und die beiden Hausfrauen kochen wirklich sehr gut ("probier doch das mal (vmtl. Käse), und das (vmtl. Meeresfrüchtesuppe), und das (vmtl. Zucker mit Fruchtaroma und Zuckerüberzug), und das hier auch (keine Ahnung, aber mit Erdnüssen)!"- wenn mein Magen Mucken gemacht hätte, dann jetzt! Aber ist alles gut gegangen...). Deren Rolle habe ich allerdings noch nicht ganz verstanden. Sie gehören nicht zur Familie, soweit ich das verstanden habe, allerdings sind sie dennoch immer da. Und letztenendes haben die hier wohl auch die Hosen an. Thomas sagte schon, wenn ich ein schönes Leben hier haben will, muss ich mich insb. mit diesen beiden älteren Damen gut stellen.



Ich denke, ich habe hier eine der eher wohlhabenden Familien erwischt. Ein Sohn des Gastvaters (oder soll man bei über 80 Jahren lieber Gastopa sagen?) ist z.B. Doktor der Juristerei (heißt hier vielleicht sogar auch etwas, haha). Bei dem anderen weiß ich's nicht. Aber fest steht: Zwar vergammelt die Dusche halb (und ein Drehregler, gerade der für's Warmwasser fehlt), allerdings haben die teilweise bis zu 45-50 Zoll große Flachfernseher und Wii etc. hier stehen. Leider habe ich im AMIV nicht oft genug geübt, gegen Juan Pedro hatte ich Mariokart jedenfalls keine Chance.